Apfelbach


Die Geschichte der Kirchengemeinde St. Gumbert in Apfelbach beginnt im Frühjahr des Jahres 1756 (auch Geburtsjahr von Wolfgang Amadeus Mozart). Schon zuvor gab es in Apfelbach genau an dem heutigen Standort ein Kirchengebäude, das dem Heiligen Martin geweiht war. Eine selbständige Kirchengemeinde war es allerdings nicht, sie war eine „Filial“ von Markelsheim. Am 28. Dezember 1809 erst wurde die Kirchen­gemeinde Apfelbach selbständig, was ursächlich mit einer Schenkung aus Markelsheim zusammenhängt. Der erste Pfarrer (Pfarrkurat) dieser selbständigen Gemeinde, Peter Christian Müllerklein, spendete 5000 Gulden für den Bau des Pfarrhauses in Apfelbach (zum Vergleich: Gesamtertrag der „reichlichen Waldungen“ 850 Gulden pro Jahr für die ganze Gemeinde).

Im Frühjahr 1756 und dann noch einmal am 27. August im selben Jahr sandte der damalige Pfarrherr von Markelsheim, Caplan Johann Adam Anton Schreiber, ein Bittschreiben nach Würzburg an den damaligen  Fürstbischof. Es beginnt mit der Anrede „Hochwürdigster des Heiligen Römischen Reichs Fürst, Gnädigster Fürst und Herr Herr!“ und endet mit „unterthänigst ... gehorsamster Caplan Johann Adam Anton Schreiber Pfarre allda“. In diesem Schreiben begründet Caplan Schreiber, warum er für den Bau der Kirche in Apfelbach die Erlaubnis (Patent) zu einer Sammlung wolle. Er nennt vor allem drei Gründe:

Erstens: Die Kirchenmauern sind durch vielfältige Reparaturen schon dergestalt ruiniert, dass daran nichts mehr zu verbessern ist. Dies kann man sich aus heutiger Sicht leicht vorstellen, ist das Gebäude (St. Martin) doch auf einer Sumpfwiese (damals außerhalb des Ortes) erbaut worden.

Zweitens: Die Kirche ist sehr stark dem Regenwasser ausgesetzt und wurde schon oft überschwemmt und vor zwei Jahren (1754) sogar so weit, dass das Wasser in den Tabernakel eindrang. Sogar die Altäre mussten abgebrochen und angehoben werden.

Drittens: Das Kirchengebäude ist wegen der täglich(!) anwachsenden Zahl der „Pfarr­kinder“ zu klein und müsste sowieso erweitert werden.

Vor allem der zweite Grund dürfte in Würzburg Eindruck gemacht haben. Beim dritten Grund, dass die Zahl der Pfarrkinder täglich anwachse, wurden wohl die Pfarrkinder von Markelsheim mitberechnet. Es ist auch anzunehmen, dass die Gläubigen von Apfelbach vor allem  nach Markelsheim in die Kirche gingen und das dortige Gebäude mit überfüllten.

Dies vor allem in der Zeit, wenn die Kirche in Apfelbach wegen Wasserschäden nicht betreten werden konnte. Die Markierung am jetzigen Kirchengebäude vom 9. Mai 1906  lässt die Wirkung des Wassers erahnen, die Gebäude der jetzigen Frühlingsstraße wären wohl völlig unter Wasser.

Dass Apfelbach zu Würzburg gehörte hängt, wie hinlänglich bekannt, mit der Geschichte von Bad Mergentheim zusammen. Dass aus einer Martinskirche eine Kirche St. Gumbert wird, ist ebenfalls diesem Umstand zuzuschreiben. Der Heilige Gumbert war ein fränkischer Adliger, der auch durch die Gründung von Klöstern Bedeutung gewann. So könnte die Umbenennung  mit der Erlaubnis zum Kirchenbau (Sammlung) zusammenhängen.

Die Beschreibung der Kirchengemeinde Apfelbach nach 1757

Die Beschreibung stützt sich vor allem auf Abschriften der jeweiligen Pfarrer aus den Jahren 1870, 1838 und 1817. Aufschriebe früherer Jahre sind naturgemäß spärlicher. Die Renovierungen und Umgestaltungen des Gebäudes sowie die Aufzählung der zuständigen Pfarrer können leicht in örtlichen Archiven nachgelesen werden.

Alle Beschreibungen gehen zunächst auf die schöne Lage des Ortes am gleichnamigen Bach  ein, der als Apfelbach in Markelsheim in die Tauber mündet. Philipp Göß, Müller und Bürger in Markelsheim und dessen Ehefrau Eva Barbara geb. Gundling, „errichteten“ am 11. Mai 1778 ein Testament, worin sie die Kirche von Apfelbach und Markelsheim zu Haupterben machten. Der Bruder von Barbara Gundling war Pfarrer in Gundelsheim. 1779 starb Philipp Göß, die Witwe Gundling zog nach Mergentheim und änderte das Testament. Zwei Drittel des Vermögens vermachte sie der Kirchengemeinde von Apfelbach. Für die damalige Zeit wohl eher ungewöhnlich entbrannte zwischen der Kirchenpflege Apfelbach und Markelsheim ein 9(!)jähriger Rechtsstreit, der am 30. Jänner 1788 „gütlich erledigt“ wurde. Als 1791 Eva Barbara Gundling starb und deren Schwester Theresia Gundling 11 309 Gulden (!) und 1805 noch einmal 4005 Gulden an die Kirchengemeinde Apfelbach spendete, konnte keine Obrigkeit der Gründung einer selbständigen Kirchengemeinde Apfelbach mehr im Wege stehen. Mit Genehmigung der „Deutschordenschen Regierung“ wurde Apfelbach am 28. Dezember 1809 zur selbständigen Pfarrei erhoben. Schon im Jahre 1812 kamen die Wachbacher Katholiken zur Pfarrei Apfelbach, weil die Kirche in Stuppach sie aus Platzmangel nicht mehr aufnehmen konnte. Jetzt hatte die Kirchengemeinde in Apfelbach natürlich noch mehr Gewicht. 1849 trennte sich Wachbach wieder von Apfelbach, wobei schon 1843 in Wachbach eigene Gottesdienste gehalten wurden. Auch die Loslösung Apfelbachs von Markelsheim zog sich über mehrere Jahre. Bis in das Jahr 1831 wurden von der Kirchengemeinde Markelsheim Rechte an Apfelbach abgegeben.

Vor allem die Aufzeichnungen von 1871 über den baulichen Zustand der Kirche sind sehr aussagekräftig: „Die Kirche ist 76 Fuß lang und 29 Fuß breit. Auf jeder Seite sind 12 Stühle (je 7 Personen), auf der Emporkirche 7 Stühle (je 7 Personen). Im unteren Gang können 130 Personen stehen. Für 435 Seelen (!) ist die Kirche zu klein. Die Orgel ist gut, weder zur Predigt noch zur christlichen Lehre braucht man eine starke Stimme.“

Im Jahre 1854 erscheint erstmals ein Aufschrieb über eine „Restauration“, das Kirchengebäu­de scheint also 1757, wie man heute gut nachvollziehen kann, sehr stabil aufgebaut worden zu sein. Chor und Langhaus wurden 1848 verputzt, der Bogen zwischen Chor und Schiff an­gebracht , die viereckigen Fenster (ca. 2m hoch) wurden auf die heutigen Maße erhöht und mit einem Bogen versehen. Noch in diesem Jahr wurde ein Choraltar für ca. 500 Gulden auf­gebaut und, weil niemand zufrieden war, wieder abgerissen. Schon an dieser Stelle wird deut­lich, dass die Kirchengemeinde Apfelbach nach ihrer Selbständigkeit sehr vermögend war.

Vom Jahre 1855 stammt auch das Altarbild, das heute noch die Kirche schmückt. Es wurde von dem damals nicht unbekannten Maler Hundertpfund aus Augsburg für 300 Gulden ge­malt. Zeitgleich wurden Fenstermalereien, das Madonnabild (... über Apfelbach) und das Bild des Hl. Gumbert von Meister Hundertpfund angefertigt. Dafür wurden noch einmal ca. 1000 Gulden ausgegeben. In den folgenden Jahren wurden noch etliche Statuen aufgestellt. Die Darstellung des Heiligen Abendmahles wurde 1858 in den Hochaltar eingesetzt. Die beiden Säulen, die die Emporkirche tragen, stammen aus dem Jahre 1859. Bis in das Jahr 1861 wurde die Kirche nach und nach bemalt und ausgestattet. Der damalige Pfarrer Hofmann wird immer wieder als sehr großzügiger Spender von bemalten Kirchenfenstern erwähnt. 1865 bekam die Kirche von der Gemeinde neue Glocken.

Bei der Renovierung des Turmes und des Daches im Jahre 2002  kamen zum Teil noch (gesunde)  Eichenbalken aus der Bauzeit von 1757 zum Vorschein.

                                                                                                   Bernhard Ettwein

 

Quellen:

1.      Diözesanarchiv Rottenburg, Eugen-Bolz-Platz 1, 72108 Rottenburg

2.      Beschreibung des Oberamts Mergentheim – Kohlhammer (Stuttgart 1880)